Am Erker 76

Francisco Cienfuegos: ... und bricht das herz die einsamkeit?

 
Rezensionen
Francisco Cienfuegos: ... und bricht das herz die einsamkeit?
 

Du: Klang
Rolf Birkholz

Für das intime Miteinander zweier Verliebter braucht es mitunter ein neues Wort. Zu den oft bemühten Buchstabenverrenkungen bei diesem Thema, die Francisco Cienfuegos auch anstellt, und vielleicht erst durch sie, fällt ihm wie nebenbei "Nachtsamkeit" ein. Das ersetzt für den Moment ein ganzes Gedicht. In seinem neuen Band …und bricht das herz die einsamkeit? beweist der in Offenbach lebende Spanier den besonderen Wortschöpfersinn des Zweisprachigen.
Aus Stille, "die nach Klang hungert, / vor der Form flieht" und "nach dem Gegenteil / von Einsamkeit geschmeckt" hat, wurde "Laut, / der sich nun / in mir versteckt // ein Wort entsteht", heißt es im Gedicht "Spirale". Hier beschreibt der 1963 in Andalusien geborene Cienfuegos, wie bei ihm Wörter und daraus Gedichte wachsen.
In "Nachgeburt" hat er dabei "Heimat als Unbegrenztheit / des Augenblicks entdeckt", woraus ein "Klangfaden" führt. Der Dichter hört daraus den "Klang, der lange schwieg" und nun "in diesem Land / wie ein langer Fluss "aus der Stille kommt, / die Sprache gebiert".
Cienfuegos "ver(w)orten", nach der "Innenhaut der Worte" suchen zu sehen, ist das Besondere an diesem freirhythmisch zum Wesentlichen, zu Entstehungsbedingungen drängenden Band. Es geht auch um Fremdheit, Freiheit, Einsamkeit, oder konkreter um Gedanken zur "Raumlosigkeit", die in weitem Bogen nach Offenbach als Zuversichtsort führen, "wo sich Gefühle / wortlos reimen".
Gegen Ende wieder eine "Wortgeburt / in der Stille" und die Aufforderung "neu werden // in dir / du selbst: / Klang".

 

Francisco Cienfuegos: ... und bricht das herz die einsamkeit? Gedichte. 116 Seiten. Größenwahn. Frankfurt am Main 2018. € 16.90.