Am Erker 66

Immer is' was

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Dietrich von Horn
Ch. Schroer Verlag

 
Rezensionen
Dietrich von Horn: Immer is' was
 

Eisenherz auf Aventiure
Hanns Küster

Wer war eigentlich Prinz Eisenherz? Sicher wissen noch einige von Ihnen, dass es sich bei dem tapferen Ritter um eine Comic-Figur handelt, die besonders in den Nachkriegsjahren zu einem gewissen Ruhm gekommen ist. Erkennen konnte man den reiselustigen Wikingerprinzen an seiner unverwechselbaren Frisur.
Prinz Eisenherz bildet das Leitmotiv und die Identifikationsfigur für den Helden in Dietrich von Horns flottem Roman Immer is‘ was. Dieser Held der autobiographisch geprägten Erzählung trägt praktischerweise den Namen des Autors. Und tatsächlich erfährt man eine Menge aus dem Leben des Dietrich von Horn. Leserfreundlich und chronologisch korrekt beginnt die Geschichte mit Herkunft und Geburt des jungen Prinzen in den Wirren des Zweiten Weltkriegs und endet irgendwann Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit der Partnersuche.
Über die Schulzeit in der schleswig-holsteinischen Provinz wird in kurzen Sequenzen berichtet. Zum Stilmittel der Erzählweise wird hier die Verwendung kleiner zeitgenössischer Soundbites, welche die Nachkriegswelt am oberen Ende Deutschlands in einer Art Collage neu entstehen lassen. Das können Redewendungen der Mutter sein und Songzitate aus der Zeit, aber auch Sätze der alten Nazis, die in den Schulen und behördlichen Einrichtungen munter weitergearbeitet haben. Dietrich von Horn echolotet so die eigene Jugend aus und stellt sich selbstbewusst (auch stilistisch) auf die Schultern eines  anderen norddeutschen Autors: Walter Kempowski grüßt aus lichten Höhen. Der selbstverständliche Erzählfluss wird hier und da durch den etwas künstlich wirkenden Wechsel vom berichtenden Präteritum ins distanzlosere Präsens gehemmt. Das klingt manchmal ein bisschen nach geplündertem Zettelkasten.
Aber zurück zum Helden, der als Junge die Comics des Prinzen liest. Nie scheint er besonders geeignet für die ihm gestellten Aufgaben: ein tumber Tor in der Realschule und während der Lehrzeit zum Verwaltungsbeamten. Die Anekdoten von "Trial and Error" sind witzig und mit hintergründiger Ironie erzählt.
Und schließlich - natürlich nach der Zeit beim Militär - darf der (Anti-)Held selbst auf Aventiure gehen. Da wird von Reisen nach Italien und ins ferne Brasilien erzählt. Immer öfter spielen zarte, aber zunächst vergebliche Annäherungsversuche zum weiblichen Geschlecht eine Rolle, denn, so drückt es ein LKW-Fahrer aus: "Dat een will ik die seggen, min Jung, dat Beste in Lebn, ach, dat sind doch jümmers noch de Fruunslüüt!" Oder eben wie im Falle des Eisenherz von Horn die Prinzessinnen.

 

Dietrich von Horn: Immer is' was. Roman. 155 Seiten. Ch. Schroer. Lindlar 2013. € 16,99.