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Engstler Verlag
Bert Papenfuß

 
Rezensionen
Bert Papenfuß: Rumbalotte Continua. 1. Folge
 

Bei Höllenlicht
Rolf Birkholz

Anarchie in Germany - das ist ja eigentlich nicht vorgesehen. Aber Renitenz, Revolte, Rebellion gegen Deutschland gab es schon, ob es als Reich oder Republik firmierte. Im Lande selbst ist man aufsässig gegen Herrschaft(en) aller Art aber zumindest auf Papier. In Rumbalotte Continua spürt Bert Papenfuß dem einen nach und betreibt auch das andere ein bisschen.
Der Autor, dem auch schon historischen Phänomen der Prenzlauer-Berg-Poeten zuzurechnen, geht bis zu den im 9. Jahrhundert einsetzenden Slawenaufständen "gegen deutsche Herrschaftsgelüste" zurück. Lutizen verbünden sich mit Obotriten gegen ostfränkische Hoheit, "Hansestädte gegen Fürstengewalt", "angermanisierte" Kaschuben bekennen sich als Pommern, die Geheimorganisation Gryf Pomorski agiert gegen die Nazis und wird von der Roten Armee liquidiert. Aber Störtebeker lebt.
Kreuz und quer durch die Epochen folgt der Autor "Spuren der Besiegten". Als solche sieht er schon jetzt "Die Untergegangenen Staaten von Amerika", wenn auch wohl nicht auf dem Ehrenfriedhof der Unbotmäßigen beigesetzt. "Das Kapital verröchelt gesetzmäßig. Das Geld ist alle. Der Zins ist tot. Das Licht ist aus." Immerhin: "In der Hölle brennt noch Licht."
Papenfuß haut allenthalben auf die Pauke, thematisch wie formal. Rumbalotte Continua - da klingt leise die italienische "Lotta continua" der 70er Jahre an - ist Teil einer Rockoper. Es sind Songs und daher oft mehr einhämmernde "lyrics" denn einnehmende Lyrik. Was das auf Musik gestimmte Ohr als kräftigen Ausdruck, als Kraftausdruck (hin)nimmt, erscheint dem Auge noch nicht unbedingt als Ausdruckskraft.
Doch fraglos war hier ein begabter Begriffsingenieur am Werk, einer, der Wörter dreht und wendet, neu erfindet, um sie effektvoll in Versen zu verwerten. Und auf Fleetwood Macs "Green Manalishi" reimt sich ja wirklich fast nur "Mitsubishi". Man müsste das Ganze mal hören.

 

Bert Papenfuß: Rumbalotte Continua. 1. Folge. Ca. 40 Seiten. Peter Engstler. Ostheim/Rhön 2004. € 8,00.