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Kiepenheuer & Witsch
Michael Kumpfmüller

 
Rezensionen
Michael Kumpfmüller: Hampels Fluchten
 

Und wie geht's weiter?
Fritz Müller-Zech

Eigentlich hatte er das Leben seines Helden als "und dann"-Geschichte erzählen wollen, doch das schien ihm zu wenig literarisch, und gemocht hätten es die Literaturkritiker sicher nicht, so entschied er sich, seine Sätze zwar mit "und" zu verbinden, aber gegen Ende immer eine Inversion zu benutzen, das heißt, das Prädikat dem Subjekt voranzustellen, und jedes Mal war er zufrieden, wenn ihm ein solcher Satz gelang. Nun ist so ein Stil zwar schon recht markant, fand er, und daß die Leser aufhorchen würden, doch so richtig interessant würde sein Buch erst werden, wußte er, wenn durchschütteln würde die Chronologie der Ereignisse er. Denn das hält den Leser so richtig über 500 Seiten bei der Stange, wenn er erst nur erfährt den Namen der Frau, mit der es sein Held treibt, und später wird ihm die ganze Geschichte rückwärts erzählt.
Im Rückblick hatte er also alles richtig gemacht, und der Zuspruch der Literaturkritik blieb nicht aus, und das gefiel ihm, wenn es gar zu einer Kontroverse kam wegen seines Romans, und bald mußte die dritte Auflage gedruckt werden. Auch der Kritiker Fritz Müller-Zech las das Buch und freute sich zunächst auf einen historischen Roman, in dem die Geschichte der beiden deutschen Staaten den Hintergrund lieferte für ein pralles Leben, und er las und las, während immer mehr das Gefühl sich einstellte, er sehe fern und schalte zwischen verschiedenen Folgen der Uralt-Serien "Stahlnetz" (West) und "Polizeiruf 110" (Ost) hin und her, erblickte hier ein ungemachtes Bett und dort eine halbleere Schnapsflasche, auch Männer in verschwitzten Nyltesthemden mit schief sitzenden Krawatten und Frauen im Unterrock vor Frisierkommoden und manchmal ein Gefängnis von innen. Und er bewunderte den Autor Michael Kumpfmüller wegen seines Stils und seiner Konsequenz, konnte sich aber dennoch nicht erwehren des Gefühls einer großen Müdigkeit, die mündete in Erleichterung, als mit Erreichen der Seite 494 zuklappte er das Buch.

 

Michael Kumpfmüller: Hampels Fluchten. Roman. 494 Seiten. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2000. 39,90 DM.